Geschichte

Unser Haus steht in der Nachfolge verdienstvoller Vorgängerinstitutionen, die den Grundstein legten für die Tradition jüdischer Altenpflege in Hannover.

Adresse
Haeckelstraße 6
30173 Hannover
Kontakt
Fon (0511) 28 86 953
Fax (0511) 28 86 95 40
E-Mail info@juedisches-seniorenheim-hannover.de
TÜV-Zertifikat

Wie alles begann

1890: Israelischer Verein für Altenversorgung und Krankenpflege

Unsere Geschichte begann im 19. Jahrhundert, als die Jüdische Gemeinde sich dafür engagierte, pflegebedürftigen Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. 1890 wurde der „Israelische Verein für Altenversorgung und Krankenpflege in Hannover“ gegründet. Er fungierte als Träger der „Einrichtung zur Altenversorgung“ und der angeschlossenen Krankenanstalt. Diese nahmen sowohl jüdische als auch nichtjüdische Kranke auf und genossen bis zu ihrer Enteignung durch die Nationalsozialisten 1941 einen hervorragenden Ruf. Die letzten Bewohner wurden deportiert.  

Nach der Schoa knüpften Überlebende an die Vorkriegstradition an: 1952 gründeten Persönlichkeiten wie Helmut Fürst, Theodor Hohenstein und Dr. Leon Feiler den Verein Jüdisches Altersheim e.V., um für die geretteten Menschen eine neue Heimat zu schaffen.
Bild vom Innenhof des Seniorenheims

1953: Der Gründungsbau

Am heutigen Standort entstand im ersten Schritt der Gründungsbau mit bescheidenen 25 Plätzen. Von Anfang an pflegte der Verein den Grundsatz, das Seniorenheim allen Menschen zu öffnen, unabhängig von Religion und Herkunft. Ebenso selbstverständlich war die Verankerung in der jüdischen Tradition. In unmittelbarer Nachbarschaft errichtete die Jüdische Gemeinde Hannover 1963/64 die Synagoge und ihr Gemeindezentrum. 

Erweiterungsbau mit Senoiren-Appartements

Anfang der 1970er folgte ein erster Erweiterungsbau mit Senioren-Appartements, sodass das Haus ein Jahrzehnt später bereits über 65 Plätze verfügte. 1983/84 wurde schließlich das heutige Hauptgebäude errichtet und die Anzahl der verfügbaren Plätze wuchs noch einmal auf den heutigen Stand von 84 Betten. Nach weiteren Umgestaltungen mit dem Ziel, unseren Bewohnern ein modernes, freundliches Zuhause zu bieten, entstanden 2008/09 als jüngste Erweiterung neue, zeitgemäße Aufenthalts- und Betreuungsbereiche.

Das Zusammenleben verschiedener Konfessionen in unserem Haus hat sich bis heute bewährt. Es ist das einzige Seniorenheim in jüdischer Trägerschaft in Niedersachsen. Wir sehen auch weiterhin unseren Auftrag darin, einen Beitrag zu leisten zur jüdischen Gemeinschaft, zum öffentlichen Leben und zum interkonfessionellen Dialog.

Porträts

Lola Fischel sel. A.

Porträtfoto Lola Fischel
Lola Fischel, geborene Potok, wurde am 07. März 1914 in Sosnowitz (Polen) geboren. Bis zur Deportation der Familie im August 1943 war sie als ausgebildete Zahnärztin berufstätig. Von ihren Angehörigen getrennt, wurde Lola Fischel über Auschwitz weiter nach Bergen-Belsen verschleppt. Hier musste sie unter Zwang eine Zahnambulanz für ihre Mitgefangenen aufbauen. Frau Fischel und ihr Bruder überlebten als einzige Familienmitglieder die Schoa.

Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 blieb Lola Fischel in Deutschland. Sie hatte in Bergen-Belsen den Hannoveraner Siegmund Fischel kennengelernt, ihren späteren Ehemann. Sein Gesundheitszustand erlaubte eine Auswanderung nicht. 1947 gründeten die Eheleute eine Zahnarztpraxis an der Podbielskistraße, die sie bis 1965 gemeinsam leiteten. Mitte der 1970er trat der gemeinsame Sohn Marek Fischel in die Praxis ein.

Lola Fischel war ehrenamtlich stark engagiert. Sie trat als Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit für Verständigung ein, sprach als Zeitzeugin vor Jugendlichen und bei Gedenkveranstaltungen und leitete den Ortsverband der internationalen jüdischen Frauenorganisation WIZO.

Besonders am Herzen lag Frau Fischel jedoch der Aufbau unseres Seniorenheimes. Bis heute würdigen wir ihren Einsatz mit dem Beinamen Lola Fischel Haus. Über 25 Jahre war sie als Vorsitzende des Trägervereins Jüdisches Altersheim e.V. aktiv. Aufgrund ihrer Verdienste wurden ihr 1989 die Stadtplakette der Landeshauptstadt Hannover und 1997 die Niedersächsische Landesmedaille verliehen.

Am 18. März 2009 verstarb Lola Fischel. 2016 wurde in Hannover-Südstadt eine Straße nach ihr benannt.

Helmut Fürst sel. A.

  Porträtfoto von Helmut Fürst
Helmut Fürst wurde am 28. Juni 1922 als Sohn angesehener Hannoveraner Kaufleute geboren. Er verließ mit 14 Jahren die Schule und absolvierte eine Ausbildung zum Elektriker. 1941 wurde die Familie gezwungen, in eines der sogenannten Judenhäuser umzuziehen. Pläne zur Emigration kamen zu spät: Im Dezember dieses Jahres wurden Helmut Fürst und seine Eltern in das Ghetto Riga deportiert. 

Helmut Fürst trat den Weg durch verschiedene Lager an. Er erlebte das Kriegsende in einem Versteck mit Mithäftlingen. Nach seiner Befreiung erreichte er auf Umwegen im August 1945 Hannover. Er entschied sich bewusst gegen eine Auswanderung und gründete 1947 mit Annemarie Fürst, geb. Klimt, eine Familie. Aus der Ehe gingen die Söhne Michael und Werner hervor. 

Ab Beginn der 1960er war Helmut Fürst im Immobilienhandel tätig und baute ein Immobilienunternehmen auf. Ebenso stark war sein Engagement in der Gemeindearbeit der 1945 wiedergegründeten Jüdischen Gemeinde Hannover. Darüber hinaus war Helmut Fürst unter den Gründern und engagiert für den Verein Jüdisches Altersheim e.V. 1952 tätigte er in dieser Funktion zusammen mit Theodor Hohenstein den Kauf des Grundstückes, auf dem unser Seniorenheim entstand. 

Helmut Fürst fühlte sich Deutschland ein Leben lang ungebrochen verbunden. Er setzte sich als Zeitzeuge für die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein und sagte in Kriegsverbrecherprozessen aus. Seine letzten vier Lebensjahre verbrachte Helmut Fürst in unserem Seniorenheim.

Er verstarb am 15. November 2012.
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